Evangelische Kirchengemeinde Weslarn

Neu: Abendmahl mit Kindern

In unserer Gemeinde sind Kinder neuerdings zum Abendmahl zugelassen. Das hat das Presbyterium im Juni nach einem intensiven, dreimonatigen Beratungsprozess einstimmig beschlossen. 

Nach dem klassischen Verständnis in der Evangelischen Kirche ist die Konfirmation die Voraussetzung zum Abendmahl. Die Konfirmation wurde von dem Straßburger Theologen und Reformator Martin Bucer (1491-1551) eingeführt. Die Jugendlichen sollten nach dem ausführlichen kirchlichen Unterricht in einem eigenen Bekenntnis „Ja“ zu ihrer Taufe sagen. Spätere Theologen haben dann die Zulassung zum Abendmahl an die Konfirmation geknüpft. Ihr Argument: Zum würdigen Abendmahl gehört es, erst einmal Glaubensinhalte wie die Sündenvergebung gelernt und verstanden zu haben und den eigenen Glauben öffentlich zu bekennen. Beides demonstrieren die Jugendlichen, wenn sie mit der Konfirmation als mündige Christen in die Gemeinde aufgenommen werden. 

Kinder beim Abendmahl

Dass erst Jugendliche bzw. junge Erwachsene das Abendmahl feiern können, war nicht immer so. Noch Martin Luther selbst hielt nichts davon, den Zugang zum Abendmahl zu beschränken. In einer Tischrede sagte er: „Es steht aber nichts im Wege, dass auch Kindern das Sakrament des Altars gegeben werden kann.“ Er berief sich auf die Bibel: Bei den ersten Christen im Neuen Testament und in den ersten Jahrhunderten wurden Taufe und Abendmahl immer zusammen gefeiert. Wenn es in der Bibel heisst, dass Menschen sich „mitsamt ihrem Haus“, also mit ihrer Familie, taufen ließen, dann waren auch Kinder dabei, auch beim Abendmahl (1. Korinther 1,16; Apostelgeschichte 16,15-33). Und: Jesus segnete die die Kinder und stellte sie in die Mitte - als Vorbilder für den vertrauensvollen Glauben (Markus 10,13-16). 

Konfirmation heisst nicht „Zulassung zum Abendmahl“, sondern 1. das eigene Bekenntnis zum Glauben und 2. die persönliche Segnung. Beides macht den starken Kern der Konfirmation aus. 

Inzwischen lassen die meisten Ev. Kirchengemeinden in Deutschland die Kinder zum Abendmahl zu. 

Was steckt hinter dem Abendmahl?

Die Entscheidung, Kinder mit einzuladen, ergibt sich aus dem Verständnis des Abendmahls. 

Wir feiern 

+ die Gemeinschaft mit Gott und mit einander

+ die Vergebung und Versöhnung 

+ die Freude und den Dank für das Leben

+ die Hoffnung auf Trost und auf Gottes Hilfe

+ die Erinnerung an Jesus Christus selbst, der seinen Jüngern das Abendmahl schenkte. 

Eigentlich können wir das alles nicht oft genug feiern. Es gibt keine biblischen oder theologischen Gründe, Kinder vom Abendmahl aus zu schließen. 

Das heisst nicht, dass das Abendmahl bei der Konfirmation unwichtig würde. Im Gegenteil. Wenn unsere Kinder schon vorher die Schönheit, den Ernst und das Geheimnis beim Abendmahl erleben können, werden sie es später gerne feiern (und bei der Konfirmation nicht zum ersten und womöglich letzten Mal hingehen).

Abendmahl konkret

Also: Sie sind mit Ihren Kinder zum Abendmahl eingeladen. Wir feiern das Abendmahl ganz unterschiedlich: mit Brot oder Oblaten und immer mit Saft und Wein zur Auswahl. Mit der alten Liturgie oder kindgerecht und feierlich in Kinder- und Familiengottesdiensten.